“Emotional ist der Europameistertitel das Highlight meines Fußballerlebens”

Unter dem Motto „Gütesiegel Buna“ wird das Presseteam der SG Buna Halle in den punktspielfreien Phasen zukünftig ehemalige Bunesen mit sportlichen Erfolgsgeschichten interviewen und somit auch einen Blick in die Vergangenheit schweifen. Der Verein zeichnet sich seit Jahren durch eine nachhaltige Jugendarbeit aus, wonach einige talentierte Akteure aus der Bunaschmiede bemerkenswerte Karrieren einschlugen. Im Rahmen dessen haben wir zu Beginn des Sportjahres 2018 Vincent Mustapha – kurz “Vinne” – befragt. Der gebürtige Hallenser trug in der Jugend vier Jahre das Trikot der SGB und krönte über die weiteren Stationen beim Halleschen FC und der SG Union Sandersdorf seine Laufbahn mit einem EM-Titel. Der ehrgeizige Defensivakteur feiert heute seinen 28. Geburtstag, wozu der gesamte Verein der SG Buna Halle ihm gratuliert und für seine persönliche Zukunft alles Gute wünscht.

Hallo Vinne,

zunächst einmal vielen Dank dafür, dass du uns, dem Presseteam der SG Buna Halle, für ein Interview zur Verfügung stehst. In den nachfolgenden Fragen wollen wir mit dir auf Deine sportliche Laufbahn zurückschauen und auch einen Blick neben den Platz werfen.

1.) Einsteigend wäre es schön, wenn du einen kurzen Abriss deiner sportlichen Laufbahn mit den einzelnen Stationen geben könntest? Welche Karriereschritte oder Personen waren deiner Meinung prägend für deine fußballerische Laufbahn?

“Meine sportliche Laufbahn begann erst mit sieben Jahren. Als Neustädter-Junge habe ich beim FSV 67 Halle, FC Halle-Neustadt und der SG Buna Halle mittrainiert. Die Mannschaft und das Training bei Buna haben mir damals allerdings am meisten Spaß gemacht, woraufhin ich dort geblieben bin. Im ersten C-Jugendjahr bin ich nach vier Jahren Buna auf das Sportgymnasium und zum Halleschen FC gewechselt. Nachdem ich die Nachwuchsabteilung des HFC durchlaufen habe, wurde ich aus der damaligen U23 von SG Union Sandersdorf verpflichtet, wo ich seit acht Jahren spiele.

Der wichtigste Karriereschritt war rückblickend mit Sicherheit der Wechsel auf das Sportgymnasium und der damit verbundene Schritt in Nachwuchsleistungszentrum des HFC. Prägende Personen gab es während der nachfolgenden Jahre viele. Der wichtigste Trainer und Förderer war aber gerade in meiner Anfangszeit beim Halleschen FC Falkmar Schupeck, welcher 2013 leider viel zu früh verstarb. Unter ihm habe ich mich als Fußballer extrem weiterentwickelt.”

2.) In Rückblick auf deine aktive Zeit bei der SG Buna Halle: In welchem Zeitraum bzw. Jugend warst du für den Verein aktiv? Welche(r) Übungsleiter haben dich damals begleitet und in welcher Hinsicht geprägt?

“Ich habe vier Jahre von der E- bis zur D-Jugend als Bunese verbracht. Wobei ich das letzte Jahr bereits in der höheren Altersklasse (C-Junioren) gespielt habe. Mein Trainer war in der gesamten Zeit Wolfgang Huth. Diese Zeit habe ich als sehr angenehm in Erinnerung. Ich hatte es als junger Jahrgang nicht immer leicht, habe aber gelernt, mich durchzusetzen. Rückblickend würde ich sagen, dass Wolfgang Huth immer sehr bemüht war und uns Kindern mit seinem Engagement sehr viel ermöglicht hat.

Wir waren bei vielen bundesweiten Turnieren und fuhren regelmäßig ins Trainingslager. Letztendlich standen immer Leistung und Erfolg im Mittelpunkt. Ich denke, das hat mich gut auf die nachfolgenden Schritte vorbereitet. Insgesamt möchte ich diese Zeit nicht missen.”

3.) Wie läuft es in der aktuellen Saison zum einen für dich persönlich und zum anderen für dein Team in der Oberliga? Welche Rolle würdest du dir selbst in der Mannschaft von Union Sandersdorf zuschreiben?

“Fast meine gesamte Herrenfußballkarriere habe ich bei Union Sandersdorf verbracht. Dabei habe ich gerade als junger Spieler viel von den Älteren gelernt und von deren Erfahrung profitiert. Da ich in allen acht Jahren eigentlich immer Stammspieler war, hatte ich zu jeder Zeit ein gutes „Standing“ in der Mannschaft und bin seit drei Jahren als Mitglied des Mannschaftsrates bei allen wichtigen Entscheidungen des Teams involviert. Seit wir vor fünf Jahren in die Oberliga aufgestiegen sind, haben wir immer eine solide Platzierung in der Tabellenmitte erzielt: mal etwas besser – mal etwas schlechter. Nach Abschluss der Hinrunde kann das mit dem derzeitig 7. Tabellenplatz wohl auch für diese Saison gelten. Nachdem man durch viele personelle Umbrüche der letzten Jahre mit den Platzierungen eigentlich immer zufrieden sein konnte, ist es dieses Jahr schon fast ärgerlich, nur auf dem 7. Tabellenplatz zu stehen. Wir haben in dieser Serie häufig als bessere Mannschaft nicht gewonnen und als junges Team viel Lehrgeld bezahlt.”

4.) Was machst du abseits des Fußballfeldes und inwiefern lässt sich damit der Sport vereinbaren? Bist du neben dem Spielfeld genauso ehrgeizig und akribisch mit dir selbst?

“Nach Abitur und Zivildienst habe ich Psychologie in Halle studiert. Nachdem ich 2016 fertig war, habe ich bei der Martin-Luther-Universität als wissenschaftlicher Mitarbeiter angefangen und begonnen meine Doktorarbeit zu schreiben. Sowohl als Student als auch als wissenschaftlicher Mitarbeiter konnte und kann ich meine Zeit frei einteilen. Dadurch ließ sich das Training mit der relativ weiten Anfahrt von Halle nach Sandersdorf gut mit meinem beruflichen Werdegang verbinden.

Im Bezug auf Ehrgeiz und Akribie denke ich, dass dies auch für mein Leben abseits des Spielfeldes gilt. Hierbei gehe ich davon aus, dass sich die Persönlichkeit eines Menschen in jedem Lebensbereich wiederspiegelt.”

5.) Wenn du deine komplette Karriere Revue passieren lässt. Was sind deine größten Erfolge sowie Niederlagen bzw. welche Highlights fallen dir dabei spontan ein? Welchen Triumph konntest du im Bunesen-Trikot feiern? Welche Pleite ließ sich nur schwer verkraften?

“Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Jeder Erfolg und jede Medaille war in den jeweiligen Momenten sehr schön und auch wichtig, ebenso allerdings auch die Tatsache, dass jede Niederlage mich immer sehr beschäftigt und geärgert hat. Wir haben in der Zeit bei Buna oft gewonnen und sehr viele Medaillen geholt. Ich kann mich erinnern, dass ich in der D-Jugend für uns das entscheidende Tor zum Aufstieg in die Verbandsliga geschossen habe. Das war für mich etwas Besonderes, wenn man die Statistik meiner weiteren Karriere betrachtet, in der ich nicht wirklich als Torjäger in Erscheinung getreten bin.  🙂

          

Zu den größten und prägendsten Erfolgen meiner Karriere zähle ich die überregionalen Titel, wie der 2. Platz mit der Landesauswahl Sachsen-Anhalts beim Sichtungs-Turnier in Duisburg oder der NOFV-Pokal in der B-Jugend mit dem Halleschen FC. Im Herrenbereich kann hier der Aufstieg mit der SG Union Sandersdorf in die Oberliga und der Europameisterschaftstitel mit der Universitätsauswahl genannt werden. Niederlagen gab es gewiss auch viele, aber da kann ich spontan keine hervorheben.”

6.) Wenn wir auf deinen größten sportlichen Erfolg, den Euromeisterschaftstitel mit der Fußball-Auswahl der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg 2011 in Istanbul, blicken. Welche Momente sind für dich persönlich von damals unvergessen geblieben, wie würdest du eure Turnierentwicklung rückwirkend beschreiben und was hat euer Team in Bezug auf den Titel ausgemacht?

“Der Turniersieg war ein unfassbar großer Erfolg. Wir sind als absoluter Außenseiter angereist und mit der Zielstellung in das Turnier gegangen, die Gruppenphase zu überstehen. Von der individuellen Besetzung waren uns viele Teams überlegen. Wir konnten den Titel nur gewinnen, weil wir als Mannschaft funktioniert haben und einer für den anderen gelaufen ist. Als Team hat uns besonders die Defensive ausgezeichnet. Somit überrascht es nicht, dass wir im Finale gegen die Universität aus Frankreich unseren einzigen Sieg in der regulären Spielzeit geholt haben. Alle anderen Spiele gingen unentschieden aus oder wurden durch Elfmeterschießen gewonnen. Im Turnierverlauf haben wir uns in jedem Spiel gesteigert. Hervorzuheben ist vielleicht noch der Viertelfinalsieg im Elfmeterschießen gegen den Titelfavoriten und Gastgeber Türkei. Emotional ist der Europameistertitel auf jeden Fall das Highlight meines Fußballerlebens.”

7.) Wie würdest du aktuell dein Verhältnis zur SG Buna Halle bezeichnen? Hast du zu Aktiven der SGB regelmäßigen Kontakt und inwiefern kam bzw. kommt dieser zustande?

“In den Männermannschaften der SG Buna Halle spielen viele ehemalige Weggefährten, Klassenkameraden und Freunde, mit denen ich ein- oder zweimal im Jahr bolzen gehe und die ich sehr schätze. Mit Felix Sieb, Florian Sieb und Oleksandr Kuliyevych spielen auch drei Spieler aus meinem engeren Freundeskreis bei der SGB. Ich kann also sagen, der Kontakt zu den Bunesen ist nie ganz abgerissen.”

8.) Könntest du dir in der Zukunft vorstellen, noch einmal das Buna-Trikot zu tragen oder eine andere Funktion im Verein zu übernehmen?

“Ich denke, die Zukunft wird von meinem beruflichen Werdegang bestimmt. Derzeit halte ich es eher für unwahrscheinlich, aber man soll ja, niemals nie sagen.”

9.) Was macht(e) für dich die SGB in der Vergangenheit/ Gegenwart aus und woran machst du dies fest? Wo liegt ggf. der Unterschied zu anderen Vereinen? Wo siehst du einen Optimierungsbedarf an der Lilienstraße?

“Der Verein macht aus seinen Mitteln sehr viel. Das liegt nicht zuletzt an den vielen Personen, die sich ehrenamtlich engagieren. In meiner Wahrnehmung hat Buna in der Vergangenheit immer eine gute Jugendarbeit und gutes Miteinander innerhalb des Vereins ausgezeichnet. Ein Urteil über die Gegenwart oder Optimierungsvorschläge möchte ich mir als „Außenstehender“ nicht anmaßen. Sportlich steht die erste Männermannschaft in der Landesklasse gut da. Ich drücke dem Team auf jeden Fall die Daumen, dass der Aufstieg in die Landesliga gelingt.”

10.) Welche Ziele hast du dir für deine sportliche und berufliche Zukunft gesteckt?

“Sportlich möchte ich noch, solange es mir zeitlich möglich ist, auf Oberliganiveau Fußball spielen. Beruflich ist das nächste Ziel meine Doktorarbeit zu schreiben. Das wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen.”

11.) Kurz und knapp: Was kannst du dem Nachwuchs von heute für einen Tipp geben, wie es mit einer großen Fußballerkarriere klappen kann?

“Training, Training, Training (auch zusätzlich zum Vereinstraining) und bleibt auch bei Rückschlägen am Ball.”

12.) Abschließend: Wenn du den Verein mit drei Worten beschreiben solltest, würdest du dies wie folgt tun?

“Bodenständig – Familiär – Ehrgeizig!”

Abschließend wollen wir dir nochmals unseren Dank für deine genommene Zeit ausrichten. Wir würden uns freuen, wenn es in sportlicher oder funktionärer Weise irgendwann eine Rückkehr zur SG Buna gibt!

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