Rhönrad Archiv

Artikel aus der Mitteldeutschen Zeitung Halle vom 01.08.2018

Eleganter Reigen
RHÖNRADTURNEN Bei der SG Buna Halle wird ein Sport betrieben, bei dem sich alles dreht. Die Akteure stehen da auch schon mal Kopf.

VON OLAF WOLF
Sport in Halle ist viel mehr als Fußball, Handball, Eishockey, Basketball – er ist abseits der Schlagzeilen natürlich bunter und lebendiger. Die MZ stellt in einer kleinen Serie Menschen vor, die Spaß an ihrem Sport in der Nische haben.

HALLE/MZ – Es scheint, als würden sie die Gesetze der Schwerkraft aufheben. Die Rhönrad-Turnerinnen Sandra Klappach und Isabelle Sparfeld von der SG Buna Halle bewegen ihr Sportgerät mit viel Eleganz, dabei auf den ersten Blick kaum Kraft investierend. Eine nur geringfügige Verlagerung des Schwerpunktes scheint auszureichen, um das 2,20 Meter im Durchmesser und etwa 50 Kilogramm schwere Rhönrad in Bewegung zu setzen. In zwei aus Lederriemen bestehenden Bindungen fixieren sie ihre Füße, drehen sich dann gekonnt mit dem Rad mehrfach um die eigene Achse, die Arme seitlich haltend. „Bis man das beherrscht, dauert es schon eine Weile“, erklärt Isabelle Sparfeld. Die 17-jährige gilt als größtes Talent bei den Bunesen, turnt bereits erfolgreich Elemente mit dem höchsten Schwierigkeitsgrad und startete in der Vergangenheit erfolgreich bei Landesmeisterschaften und auf nationaler Ebene. „Wir bewegen uns allerdings dennoch im Breitensport“, sagt ihre Trainerin Michaela Päts. „Mit nur einer Trainingszeit wöchentlich können wir nicht mit den Top-Leuten mithalten“, ergänzt sie. Über Nachwuchssorgen können sie sich nicht beschweren, so Päts. „Immer wieder schauen Eltern mit ihren Kindern bei uns während des Trainings vorbei. Die Kids wollen es dann ausprobieren. Und nicht wenige bleiben dabei.“ Mit fünf bis sechs Jahren könne man mit diesem sehr anmutig erscheinenden Sport beginnen, berichtet die Trainerin weiter. Und sie fügt hinzu: „Die Kids brauchen etwa ein Jahr, um die Grundübungen zu lernen, können dann auch ihre ersten Wettkämpfe turnen.“


Pure Faszination
Für Isabelle Sparfeld ist Rhönradturnen pure Faszination. Vor etwa acht Jahren begann sie in ihrer damaligen Grundschule mit dem doch außergewöhnlichen Sport. „ Ich habe es dort gesehen, getestet und bin dabeigeblieben“, sagt sie zurückblickend. Es sei für sie die Kombination aus Kraft, Balance und Körperspannung, die Rhönrad ausmachen würden. „Aber auch die Kombination aus turnerischen Elementen und die damit einhergehende Eleganz sind das Besondere“, umschreibt sie ihren Sport. Inzwischen stellt sie sich auch außerhalb Mitteldeutschlands der Konkurrenz, turnte bereits beim Deutschland-Cup mit, wenn auch fern ab der Top-Platzierungen. Acht verschiedene Elemente in verschiedenen Schwierigkeitsgraden gilt es da in einer zweiminütigen Übung vorzuführen. Seit gut drei Jahren können sich die Rhönrad-Spezialisten auf die Unterstützung durch die SG Buna Halle verlassen. „Sie haben uns mit unserem Wechsel gut aufgenommen, helfen, wenn es zum Beispiel um die Erweiterung der Trainingszeiten oder andere Dinge geht“, sagt Michaela Päts. 2015 zog die gesamte Truppe aus der Silberhöhe nach Halle-Neustadt, schlossen sie sich den Bunesen an.

Eine große Familie
Die nicht geringe Sammlung an Sportgeräten der Abteilung steht fein säuberlich nach Größen sortiert an der Stirnseite der Trainingshalle. Penibel wird vorab nochmals der Hallenboden gereinigt, um jegliches Rutschen zu vermeiden. Dann drehen sich Sandra Klappach und Isabelle Sparfeld elegant und synchron mit ihren Rädern in der doch ein wenig in die Jahre gekommenen Sporthalle um die eigene Achse, absolvieren die vorgegebenen Turnelemente. Isabells Trainingskameradin Sandra Klappach macht, so berichtet ihre Trainerin, nicht nur als Sportlerin mit dem Rhönrad eine gute Figur, sie gibt ihre Erfahrungen bereits an den Nachwuchs weiter. „Sandra kann richtig gut mit den Kids arbeiten“, attestiert ihr Michaela Päts. „Wir sind uns in der Trainingsarbeit einig, ergänzen uns gegenseitig“, fügt sie hinzu. Bei ihren großen Schützlingen könne sie auch mal den behaglichen Umgang ablegen. „Manchmal muss man auch streng sein“, meint die Trainerin mit ernster Miene. „Aber man kennt seine Sportler, weiß, wie man sie erreicht. Am Ende will ich einfach alles aus ihnen rausholen“, so die 33-jährige. Insgesamt sei man eine große Familie und ist auch außerhalb des Sports miteinander befreundet. Etwas ungewöhnlich ist, dass zumindest augenblicklich nur Mädchen den Sport betreiben. „Na klar ist das auch was für Jungs“, bestätigt die Trainerin, verbindet damit den Wunsch, dass auch die Zugang zu ihrem Sport finden. Die Truppe um Michaela Päts frönt allerdings nicht nur dem Wettkampfsport. Seit einigen Jahren sieht man die Rhönrad-Artistinnen mit ihrer Show-Truppe auch auf der einen oder anderen Sport-Gala und regionalen Veranstaltung. Das Laternenfest Ende August haben sie sich schon vorgemerkt. „Dort wollen wir Kinder reinschnuppern lassen. Mit Beginn des neuen Schuljahres soll dann auch eine neue Anfängergruppe ins Leben gerufen werden“, blickt die Trainerin bereits voraus. Bis dahin wird sie mit ihren Schützlingen noch fleißig trainieren, wollen sie sich doch in Top-Form präsentieren.